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Hilda Green

Gott gehört alles

 

Vor einiger Zeit, als ich in Florida als Krankenschwester arbeitete, hatte ich ein Erlebnis, und ich fühle mich gedrängt, die einfache Geschichte mitzuteilen, sodass andere die Lektion erfassen können, die ich lernte, und Gott in einem tieferen Sinne erkennen, so wie ich. Es ist die Geschichte von Carolyn, ihrem Glauben und einem Bündel Bananen.

Ich war zehn Tage lang in Carolyns Zuhause, um ihre Mutter und eine neugeborene kleine Schwester zupflegen. Meine Patientin hatte viele kleine Bücher und Schriften mit dem Namen „Unity“ darauf. Sie versuchte, mir die Lehren zu erklären, aber ich war eher verärgert als erfreut. Carolyn, das achtjährige Kind, gab mir jedoch ein konkretes Beispiel für „Alle Dinge, die der Vater besitzt, sind mein.“ Ich hatte vergessen, dass Gott ins Kinderherz die Fähigkeit gepflanzt hat, Vertrauen in Ihn zu haben, die der Erwachsene gewöhnlich im Laufe der Jahre verliert. Darin liegt meine Geschichte.

Eines Samstagnachmittags legte ich die Lebensmittel weg, die aus der vier Meilen entfernten Stadt geschickt worden waren, und Carolyn half dabei.

Sie fragte: „Hast du auch Bananen bekommen? Ich mag sie sehr.“

„Nein“, erwiderte ich, „aber ich besorge dir Dienstag welche, wenn ich wieder bestelle.“

„Ich möchte sie aber heute haben“, sagte sie mit einem Lächeln.

Ich folgte ihr ins Schlafzimmer und fand sie auf den Knien bei einem meiner Ansicht nach sehr unorthodoxen Gebet.

„Lieber Jesus, ich weiß, du hast eine Menge Bananen, und ich weiß, du möchtest, dass Mutter und Schwester und ich welche haben; also bitte schick uns heute ein halbes Dutzend. Danke. Amen.“

Na, ich war so schockiert, dass ich  dastand wie zu Stein verwandelt. Dann, beim Abendessen, sagte Carolyn: „Schwester, wie lange dauert Heute?“

„Für dich bis zur Schlafengehenszeit, Liebes“, antwortete ich.

„Nein, ich meine, Morgen fängt erst in der Nacht an, oder?“

„Oh, ich verstehe, was du meinst. Heute dauert bis zwölf Uhr“, erklärte ich.

„Ich hoffe, Gott schickt meine Bananen bis zur Schlafengehenszeit.“

„Aber, Liebes, es hat angefangen zu regnen, und die Straßen sind jetzt schlecht“, sagte ich. „Sei nicht zu sehr enttäuscht, wenn du sie nicht bekommst.“ Ich versuchte sie vorzubereiten, denn ich war sicher, sie würde das Obst an diesem Tag nicht bekommen.

„Du kennst Gott bestimmt nicht so wie ich. Er wird mich nicht enttäuschen. Das tut er nie“, erklärte sie.

Zur Bettgehzeit bat sie mich um etwas. „Schwester, weckst du mich auf, wenn meine Bananen kommen?“

Ich versicherte ihr, das würde ich, und sie schlief sofort ein. Um viertel vor elf richtete sie sich auf und sagte schläfrig: „Sind sie gekommen?“ „Nein, noch nicht. Schlaf weiter.“

„Aber es ist immer noch Heute, wenn sie noch nicht hier sind“, insistierte sie.

„Ja“, sagte ich, „Heute hat noch eine Stunde und fünfzehn Minuten.“ Ich war erstaunt, dass sie überhaupt keine Zweifel hatte. Mein Herz tat mir weh ihretwegen, weil mein gesunder Menschenverstand mir sagte, dass sie sicherlich beunruhigt sein würde, dass Gott ihr Gebet nicht erhörte.

Etwas später war ich immer noch ganz wach, besorgt, als ich einen Wagen draußen halten hörte. Ich stand auf, warf mir den Mantel um und ging mit einer Taschenlampe an die Tür.

Dort standen der Pfarrer meiner Patientin und seine Frau. Er sagte: „Ich weiß, es erscheint verrückt, Sie zu stören, indem wir zu dieser Nachtstunde herkommen, aber nachdem meine Frau und ich im Bett waren und schon schliefen, wachte ich voller Unruhe auf, mit einem Gefühl, dass hier etwas nicht in Ordnung sei. Wir zogen uns wieder an und kamen, um nachzusehen.“

„Nun, es ist alles in Ordnung“, sagte ich ihnen.

„In diesem Fall“, erwiderte seine Frau, „werden wir gar nicht erst hereinkommen. Ach, übrigens, ich habe heute Abend auf dem Markt ein paar schöne Bananen gekauft, und ich habe Ihnen ein paar mitgebracht.“

Ich drehte mich um und sah auf die Uhr. Es fehlten noch sieben Minuten bis Mitternacht! „Ja, etwas war nicht in Ordnung“, sagte ich plötzlich, „das Gebet eines Kindes musste erhört werden. Sie kamen, um Bananen zu bringen, nicht weil sie gebraucht wurden, sondern wegen Carolyns absolutem Gottvertrauen.“

Dann erzählte ich ihnen die Geschichte, wie ich sie hier erzählt habe, und wir alle hatten Tränen in den Augen, als wir eines Kindes Weg in ein neues, lebendiges Glaubensleben hin bedachten. Der Pfarrer und seine Frau kamen mit mir hinein, um Carolyn aufzuwecken. Sie akzeptierte die Früchte, ohne Überraschung zu zeigen, aber sie sagte auf eine natürliche Art: „Danke, Jesus“, ehe sie sich das Obst in den Mund stopfte.

Später, als wir darüber redeten, sagte sie feierlich zu mir: „Schwester, wenn du irgendetwas haben willst, bitte Gott darum, Ihm gehört alles, und Er wird es dir geben.“

All die Monate lang ist diese Erfahrung, die mir geschenkt wurde, ein helles und leuchtendes Licht gewesen, das mich zu einem  immer tieferen und wunderbareren Gottvertrauen geführt hat.                                                                                               Quelle: Unity (1956), dt.: F.J.

 

Entnommen aus: JA – Zeitschrift für dynamische Lebensgestaltung „Wie öffne ich mein Leben dem Guten?“/Oktober 2005 – Frick-Verlag Tel. 07231-102842

e-mail: Frick.Verlag@t-online.de  bzw. http://www.frickverlag.de